Hier lasen Sie im Herbst 2007 in wöchentlicher Folge Axel Bussmers Debütkrimi "Ein bisschen Luxus". Jeden Montag neu...
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krimidebüt mit folgen...
zur Rezension...
Axel Bussmer, "Ein bisschen Luxus" (8/28)
"Drei haben geantwortet.", sagte Wieland. "Ich habe sie Ihnen ausgedruckt. Hier."
"Danke." Diana nahm die drei Ausdrucke, lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück und las sie.
Eine Svetlana Propov schrieb: "Robert Brandt hat neben mir gesessen. Er sagte, er sei nach dem Kurs noch verabredet. Ich kann nicht glauben, dass er verschwunden ist."
Eine Maria Wolf schrieb: "Er sagte etwas von einem Urlaub im Süden. Hätte ich gefragt, könnte ich ihnen jetzt etwas sagen."
Ein Thomas Klauser schrieb: "Nach dem Kurs verabschiedeten wir uns. Er sagte, er ist in Konstanz mit einigen Freunden verabredet. Hoffentlich ist ihm nichts zugestoßen."
"Das bringt mich nicht wirklich weiter.", sagte Diana.
"Anscheinend habe ich ihn irgendwie übersehen. Obwohl, jetzt, nach den Mails und nachdem ich mir wieder den Kursplan angesehen habe, glaube ich auch, dass er da war.", sagte Wieland. "Aber es war eine normale Stunde. Zwei Diplomarbeiten werden vorgestellt und anschließend darüber diskutiert. Normalerweise gehe ich in der letzten Stunde mit den Studierenden etwas trinken. Mache eine kleine Abschiedsfeier. Nur, an diesem Dienstag hatte ich danach einen Termin."
"Am Abend?"
"Ja. Ich durfte bei den Rotariern einen Vortrag halten. Um acht Uhr im Inselhotel. Also achtete ich darauf, dass wir wirklich pünktlich Schluss machen."
"Da kann man natürlich nicht absagen."
"Am Anfang von meinem Studium hätte ich sofort und mit Vergnügen abgesagt. Heute kämpfe ich um meine Habil-Stelle und knüpfe Kontakte. Seitdem überall die Professorenstellen gekürzt werden und gleichzeitig die Konkurrenz zunimmt, versucht jeder irgendwie eine sichere Professur zu erreichen."
"Sie dachten niemals an eine andere Arbeit?"
"Wo denn? In der Wirtschaft?"
"Zum Beispiel."
"Nein. Ich bin Wissenschaftler. Das ist meine Berufung und ich könnte nichts anderes tun."
"Und Robert?"
"Was?"
"Seine Eltern sagten, er wollte bei einem Verband arbeiten."
"Das tun die Meisten nach dem Studium. Eine NGO."
"NGO?"
"Entschuldigung. Wir reden ständig in unseren Abkürzungen. Non government organisation. Nichtregierungsorganisation. Halt ein Verband oder eine Stiftung.", sagte Wieland. "Oder sie arbeiten bei einem Politiker oder sie gehen in die Verwaltung. Halt alles, was irgendwie mit der Steuerung von Politik zu tun hat. Oder sie gehen in die Wirtschaft. Meistens irgendwie Richtung Beratung."
"Was glauben Sie? Hätte er gute Chancen gehabt?"
"Ja. Konstanz ist angesehen. Die meisten finden schnell eine gute Stelle. Jedenfalls sagt das die Statistik."
"Und die Wirklichkeit?"
"Nun, Statistiken geben die Wirklichkeit wieder."
"Hm."
"Jedenfalls mehr oder weniger."
"Oder hätten sie Robert eine Promotion empfohlen?"
"Ich kannte ihn nur aus dem Seminar."
"Trotzdem."
"Hm. Wenn er mich gefragt hätte, hätte ich ihm eine Promotion empfohlen. Er war zielstrebig, informiert und interessiert. Außerdem arbeitete er selbständig."
"Das sagen alle über ihn.", sagte Diana. "Überlegen Sie doch noch einmal, ob er nicht vielleicht doch irgendetwas gesagt hat."
"Zu mir nicht. Ich hatte nach dem Seminar auch keine Zeit. Aber vielleicht wissen Maria Wolf und Thomas Klausner etwas Genaueres."
"Sind sie jetzt in Konstanz?"
"Uh. Keine Ahnung." Wieland klickte die Mails an. "Nein. Frau Wolf ist in Sindelfingen und Herr Klausner in Ulm. Ich werde sie dann noch einmal anschreiben."
Diana ließ sich von Münchner einen Generalschlüssel geben und ging allein in den Uni-Keller. Sie hatte keine Ahnung, was sie dort unten finden wollte. Und im Gegensatz zu einer Hausdurchsuchung, die sie normalerweise mit mehreren Männern durchgeführt hatten, war das Gebiet viel zu groß. Für eine richtige Durchsuchung bräuchte sie wahrscheinlich eine Hundertschaft und viel Zeit. Alleine konnte sie höchstens zufällig über etwas stolpern. Das hielt sie allerdings nicht für sehr wahrscheinlich. Immerhin hatte bereits Laurentius Münchner hier unten nach dem Fluchtweg des Bücherdiebs und nach Robert Brandt gesucht. Ohne Erfolg. Dabei kannte er sich hier aus. Sie nicht. Und auch sonst hatte niemand im vergangenen Monat Robert Brandt hier entdeckt. Entweder war er gut versteckt worden oder, was Diana für wahrscheinlicher hielt, er war überhaupt nicht in den Katakomben der Universität. Denn es gab wirklich keinen auch nur
halbwegs handfesten Beweis dafür. Selbst die Intuition eines Detektivs, die im Zweifelsfall, immer helfen kann, versagte. Nein, sie versuchte einfach nur ein Gefühl für Robert Brandt zu bekommen. Wie hatte er sich hier unten gefühlt? Wo hatte er gesucht? War er irgendwelchen Abzweigungen und Lichtern gefolgt? Oder einfach nur durch die Gänge gestreift und hatte mit offenen Augen und Ohren auf seine Beute gewartet?
Sie versuchte sich zu orientieren. Aber die Gänge sahen alle gleich aus. Die Türen und Treppen führten von irgendwo nach nirgendwo. Einige Male dachte sie, sie hätte sich endgültig verlaufen. Dann bog sie um eine Ecke und stand vor einer Tür. Sie öffnete sie und blickte auf einen Uni-Flur. Bereich V, obwohl sie eher mit dem Bereich L gerechnet hätte. Die einzelnen Trakte der Universität waren im Wesentlichen gegen den Uhrzeigersinn mit den Buchstaben des Alphabets gekennzeichnet. Die einzelnen Nummern gaben dann, wie in jedem Haus, die Stockwerke an. Ein einfaches System, bis man in der Uni stand und versuchte von einem Bereich in einen anderen zu kommen. Denn die Universität war auf einen Hügel gebaut worden. Einige Trakte lagen mit ihren Stockwerken fast vollständig unter anderen Trakten. Einige Trakte waren nur über bestimmte Wege mit anderen verbunden. Anfangs war sie weite Wege gelaufen. Inzwischen kannte sie sich im überirdischen Teil der Uni ziemlich gut aus.
Unterirdisch war es nicht viel anders. Große Räume, kleine Räume, blinde Gänge, Treppen – alles schien ohne einen größeren Plan aneinandergeklatscht worden zu sein.
Aber langsam bekam sie ein Gefühl für die unterirdische Geographie. Fasziniert sah sie sich die Überbleibsel studentischen Tuns an. Da schrieb ein Student mehrere Wochen an einer Hausarbeit. Anschließend wurde sie lieblos in eine Ecke geworfen.
Der Keller war einfach nur eine riesige Abstellkammer, in der jeder Fachbereich und jeder Professor seine kleine, abgeschlossene Ecke hatte und noch viele Ecken leer waren.
Sie könnte ja versuchen, herauszufinden, was die beiden Männer am Vormittag in den Keller gebracht hatten. Das hielt sie immerhin davon ab, Robert zu suchen, den hoffenden Blicken von seinen Eltern standzuhalten oder weiter ihr Haus zu renovieren. Außerdem war die Luft im Keller angenehmer als draußen. Die morgendliche Frische war um die Mittagszeit der brütenden Schwüle eines nahenden Gewitters gewichen.
Gut. Die Zwei hatten etwas aus einem Kombi ausgeladen und waren dann den Gang hinuntergefahren. Es konnte nicht allzu groß gewesen sein, aber auch zu groß oder schwer, um einfach getragen zu werden. Irgendetwas zwischen einem Ordner und einem aufgebauten Aktenschrank. Was die Größe des transportierten Gegenstandes nicht gerade einschränkte. Münchner und sie waren rechterhand von der Einfahrt gewesen. Die beiden anderen dann linkerhand. Die ersten Räume schloss Diana aus. Sie waren zu Nahe am Tor. Sie waren weiter in den Keller gegangen. Der dritte und vierte Raum waren leer. Dann kam ein langer Gang. Da wären sie mit ihrem Wagen nur schlecht durchgekommen. Sie ging weiter, bis sie zu einer Stahltreppe kam. Sie führte hinunter. Diana ging hinunter. Durch einen Durchbruch durch. Sie war am oberen Ende eines Saals. Sie lief die Treppe hinunter bis zum Boden und erkundete dann den Saal. Er war leer. Und der einzige Ausgang war die von ihr benutzte Treppe.
Diana schüttelte den Kopf. Weshalb wurde dieser so offensichtlich sinnlosen Raum gebaut? Immerhin mussten damals die Arbeiter den gesamten Raum ausheben und anschließend füllen.
Sie ging die stählerne Treppe wieder hoch und trat in den ersten auf ihrem Weg liegenden Raum. Linkerhand stapelten sich ausrangierte Tische. Sonst nichts. Langsam fuhr sie mit ihrem rechten Zeigefinger über eine der Tischplatten. Sie war staubig.
Diana drehte sich um. Ihre Fußspuren zeichneten sich deutlich auf dem Fußboden ab.
Sie ging in den nächsten Raum. Auf dem Boden waren die Spuren von Rädern und zwei Paar verschiedenen Schuhen. Nach der Sohle ein Paar ziemlich abgetragene Turnschuhe. Wahrscheinlich etwa Größe 45. Sie gehörten einem ziemlich großen Mann. Die anderen waren etwas kleiner und von Straßenschuhen. Diana bemerkte keine Besonderheiten. Sie waren normal abgetragen, von durchaus normaler Größe und ohne ein besonders hervorstechendes Profil. Im Labor hätten sie sicher mit etwas Zeit die Marke herausgefunden; was ihnen auch erst dann etwas gebracht hätte, wenn sie vor dem Täter stünden.
Die Spuren überdeckten andere Fußspuren. Sie führten alle auf direktem Weg zu einer vergitterten Tür, die sie zuerst nicht bemerkt hatte. Dahinter standen in einem Raum verschiedene Möbel und Kartons. Es erinnerte Diana an ein Lager, wie sie schon etliche in verschiedenen Keller von Berliner Mietshäusern oder in einer Mietgarage gesehen hatte. Diana drückte die Türklinge hinunter. Es war abgeschlossen. Sie öffnete ihre Umhängetasche, holte ihren Dietrich heraus und öffnete, nachdem sie kurz nach sich nahenden Schritten und Stimmen gelauscht hatte, die Tür.
Sie öffnete einige Kartons. In den vorderen waren nur Leitz-Ordner und alte Papiere. Diana hob einige der nachlässig in einen Karton geworfenen Hausarbeiten an. Eine VWL-Klausur, mehrere Psychologie-Tests, eine philosophische Arbeit zur Willensfreiheit, Essenspläne, Universitätszeitungen aus verschiedenen Jahren. Auch die Namen ergaben keinen Sinn. Auf fünf verschiedenen Arbeiten aus verschiedenen Jahren standen fünf verschiedene Namen. Bei den Professoren, was bei dieser wilden Kombination von Fächern nicht verwunderlich war, gab es auch keine Übereinstimmung. Sie war nicht in einer der zahlreichen Abstellkammern eines der Professoren. Sie war – irgendwo anders.
Weiter hinten im Raum hingen einige dunkle Bettlaken über schmalen quadratischen Gegenständen. Diana zog eines der Laken weg und sah ein Gemälde. Ein in kräftigen Farben gemaltes Landschaftsbild.
"Es sah aus wie eines der Dixschen Bodenseebilder. Von Allensbach und dem See.", sagte Diana. "Weißt du noch, die Bilder, die wir uns vor drei, vier Monaten im Hegau-Bodensee-Museum angesehen haben."
"Hm.", sagte Jörg, während er zwei Stück Zucker in seinen Kaffee warf. Nach langen Gerichtsverhandlungen trank er immer stark gesüßten Kaffee. Besonders wenn er mit seinem Auftreten unzufrieden war.
"Aber ein wertvolles Bild würde niemals in einem Keller verstauben."
"Also hast du es zugedeckt und hast den Raum verlassen."
"Nicht ganz.", sagte Diana. "Ich habe ein Foto gemacht. Mit meiner neuen Kamera. Und mir dann die anderen Bilder angesehen."
"Und?"
"Danach habe ich mich in der Bib an einen Computer gesetzt und im Internet recherchiert. Zuerst bin ich auf die LKA-Seite gegangen. Zu den Kunstdiebstählen. Es ist dort nicht aufgeführt. Dann habe ich das Art Loss Register angeklickt. Aber kam nicht weiter."
"Es könnte eine Reproduktion sein."
"In der unteren rechten Ecke war die Signatur von Otto Dix. Dieses komische Zeichen. Mit dem Jahr. 1938."
"Dann ist es eine Fälschung."
"Kann sein."
"Du glaubst nicht daran?"
"Für mich sah es ziemlich echt aus."
"Diana, bei dem Licht."
"Ja, wahrscheinlich.", sagte sie. Aber sie glaubte nicht daran.
"Und bringt dich das näher an diesen Robert Brandt?"
"Nein. Da habe ich heute Nachmittag einige Mails von Studenten gelesen. Danach ist er nach einem Seminar bei Wieland in die Stadt gefahren."
"Das bringt dich jetzt auch nicht weiter?"
"Nein."
"Wie lange willst du noch im Nebel stochern?"
"Keine Ahnung."
"Am besten sagst du seinen Eltern, ihr Sohn ist wahrscheinlich Tod und wird irgendwann durch Zufall gefunden werden."
"Sie werden aber erst anfangen zu trauern, wenn sie vor seiner Leiche stehen. Bis dahin hoffen sie, dass er eines Tages an ihre Tür klingelt."
"Nee, dann hätten wir irgendeine Spur gefunden."
"Hm. Nur, ich kann nicht so einfach aufgeben."
"Aber auch nicht monatelang alleine einen spurlos verschwundenen Menschen suchen."
"Immerhin habe ich bereits heute etwas Neues erfahren.", sagte Diana. "Und Linus Schroff dies gesagt."
"Was meinte er?"
"Interessant.", sagte Diana, Schroffs Stimme schlecht imitierend, "aber für die Ermittlungen ist es nur ein Mosaikstein. Denn wir haben die Stadt durchsucht und alle seine Bekannten Freunde und die häufig von ihm besuchten Lokale befragt. Aber nichts. Und da ist es egal, ob er die Universität einige Stunden früher oder später verlassen hat."
Später liebten sie sich auf ihrer Matratze. Diana fragte sich, wie die Gemälde an ihren weißen Wänden wirken würden.
Donnerstag, 11. August
Kapitel 10
Mit einem zärtlichen Kuss weckte Jörg Diana.
"Ich muss. Kaffee ist in der Küche."
"Danke.", murmelte sie verschlafen. Jörg war für die Frühschicht eingeteilt und musste entsprechend früh aufstehen. Sie hatte mehr Zeit. Trotzdem saß sie bereits einige Minuten sechs Uhr an ihrem Notebook und recherchierte im Internet. Dabei trank sie etwas schwarzen Kaffee und aß ein Käse-Brot. Sie war immer wieder erstaunt, was sie alles ohne Mühe im Netz fand.
Nach der vierten Tasse Kaffee war sie klüger. Sie sprang unter die Dusche, duschte und zog frische Kleider an. Wieder eine helle Cargo-Hose und eine helle Bluse.
Um acht Uhr fünfzehn betrat sie den Frühstücksraum des mitten in der Konstanzer Altstadt gelegenen Hotels Barbarossa. Nur wenige Gäste frühstücken bereits so früh. Schließlich verbrachten sie ihren Urlaub an einer der schönsten Orte Deutschlands. Die Brandts saßen am Fenster.
"Guten Morgen."
"Guten Morgen."
"Guten Morgen." Diana setzte sich. "Für mich bitte einen Kaffee.", sagte sie zur Bedienung.
"Der geht auf unsere Rechnung.", sagte Jürgen Brandt.
"Haben Sie schon etwas herausgefunden?", fragte seine Frau Isabelle.
"Eigentlich nichts."
"Was?"
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Axel Bussmer beim Ausbrüten feinteiliger Straftaten (rein literarischer Natur)
AXEL BUSSMER
iM
INTERVIEW
(mit ULrike Duchna, Franka Plaschke und Barbara Keller im AREMA/Moabit
vom 31.07.2007...)
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