Hier lasen Sie im Herbst 2007 in wöchentlicher Folge Axel Bussmers Debütkrimi "Ein bisschen Luxus". Jeden Montag neu...
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krimidebüt mit folgen...
zur Rezension...
Axel Bussmer, "Ein bisschen Luxus" (9/28)
"Anscheinend war Robert länger als bisher bekannt an der Uni. Er besuchte noch ein Kolloquium von 18.00 bis 20.00 Uhr. Danach wollte er sich wohl in der Stadt mit jemand treffen."
"Das ist alles?", sagte er etwas enttäuscht.
"Liebling. Sie hat innerhalb eines Tages mehr herausgefunden als die Polizei in einem Monat."
"Ja. Schon."
"Danke.", sagte Diana zur Bedienung. "Offenbar war er in seinen letzten Tagen öfters im Keller der Uni. Er suchte einen Bücherdieb."
"Davon hat er mir erzählt.", sagte er. "Er meinte, es sei unsozial Bücher zu stehlen. Sie kosteten wenig und seien für alle da. Wenn dann einige auf Kosten der anderen Bücher stehlen würden, würde für alle das Studieren schwieriger. Ich sagte ihm, er habe Recht. Er sagte, er werde diesen Dieb finden. Ich sagte, das sei nicht seine Aufgabe. Er sagte, als Wachmann schon. Ich sagte, er wolle doch fertig studieren und später in einem Unternehmen arbeiten. Er sagte, er werde das in seiner Freizeit tun."
"Glauben Sie, das hat etwas mit seinem Verschwinden zu tun?", fragte sie.
"Nein. Es handelt sich um Bücher für einige tausend Euro. Dafür bringt niemand jemand um."
"Ich weiß nicht. Gerade letzte Woche hat bei uns ein Fünfzehnjähriger einen Jüngeren für zehn Euro umgebracht."
"Es stand in der Berliner Zeitung.", sagte er.
"Hier unten nicht.", sagte Diana. "Nein, wegen der Bücher wurde Robert keinesfalls umgebracht. Falls er den Dieb überhaupt jemals gesehen hat. Ich dachte, vielleicht hat Robert etwas anderes im Keller gesehen oder gefunden."
"Nein."
"Er hat nichts gesagt."
Linus Schroff blätterte die Akten in der Vermisstensache Robert Brandt durch. Er fand nichts. Gut, er hatte die Sache nur mit halber Kraft bearbeitet. Aber er hatte auch nichts übersehen. Er hatte die notwendigen Befragungen und Anfragen gemacht und die Ergebnisse sauber protokolliert. Gute, einfache Polizeiarbeit. Aber jetzt, mit den Eltern und dieser Schnüfflerin im Nacken, musste er etwas unternehmen. Er schrieb alle in den Akten aufgeführten Personen mit ihrer Telefonnummer und Adresse auf. Dann legte er einen aufgeschlagenen Schreibblock vor sich und nahm den Telefonhörer in seine Hand. Zuerst rief er die Bank an.
"Hat Robert Brandt Geld abgehoben?"
"Zuletzt vor fünf Wochen."
"Hat er vielleicht noch ein Konto bei ihnen?"
"Nein."
Dann stellte er bei der BaFin einen Antrag auf Auflistung aller Konten von Robert Brandt. Damals hatte er nicht daran gedacht. Schließlich hatten Studenten normalerweise wenig Geld und nur ein Konto. Seine Ermittlungen ließen ihn damals auch nichts anderes vermuten.
"Wieland?"
"Hier Schroff. Wir hatten bereits –"
"Ich weiß. Wegen Robert Brandt. Ich hatte ihnen damals bereits alles gesagt. Dass er in meinem Kurs war, war mir vollkommen entfallen."
"Naa, macht nichts. Frau Schäfer hat es ja herausgefunden und mir gesagt."
"Ich hoffe, ich habe damit ihre Ermittlungen nicht beeinträchtigt."
"Nein. Wir wissen jetzt nur, dass er etwas später die Universität verließ."
"Tja; wie kann ich Ihnen dann helfen?"
"Ist Ihnen seit ihrem Gespräch mit Frau Schäfer noch etwas eingefallen?"
Wieland schwieg einige Sekunden: "Nein. Oder, es kann sein, dass Herr Brandt nach dem Kurs sagte, er wolle in die Hafenhalle gehen. Aber, das kann er auch nach einer anderen Stunde gesagt haben. Oder jemand anderes aus dem Kurs."
"Hm. Jedenfalls Danke. Falls Ihnen noch etwas einfällt, rufen Sie mich bitte an."
"Selbstverständlich."
Wieland legte nachdenklich den Hörer auf. Zuerst die, zugegebenermaßen gutaussehende, Privatdetektivin und jetzt wieder Schroff. Nachdem in den vergangenen Wochen, nach der ersten Aufregung, sich immer weniger Leute nach Robert Brandt erkundigten, rannten ihm die Leute jetzt die Bude ein. Aus einem allmählich erkaltenden Fall wurde wieder eine heiße Sache. Wenn sie jetzt begann, durch die Unikeller zu schleichen, müsste er aktiv werden.
"Wenn ich etwas Neues erfahre, rufe ich Sie sofort an. Ich habe ja ihre Handy-Nummer.", sagte Diana und ging zur neben dem Hotel liegenden Buchhandlung "Zur schwarzen Geiß", einem kleinen, mit Büchern gefüllten Raum. In der Mitte lagen auf einem großen Tisch die aus Sicht der Buchhändler wichtigen Neuerscheinungen. Meistens Werke von gesellschaftskritischen Autoren, viele Essays, und einige Romane abseits der Bestsellerlisten. Hier gab es keine Leon-Clancy-Grisham-Potter-Stapelware. Antonio saß an der Kasse und tippte einige Bestellungen ein.
"Guten Morgen, Frau Schäfer."
"Morgen.", sagte Diana. "Uh, können wir zum Du übergehen?"
"Klar. Antonio. Aber meistens Tonio oder Toni."
"Diana."
"Hast du bereits etwas herausgefunden?"
"Kann sein. Hat Robert dir etwas über einen Bücherdieb erzählt?"
"Er suchte ihn. Er dachte, er käme durch den Keller in die Bib. Oder er schmuggelte die Bücher durch den Keller aus der Bib."
"Hat er ihn erwischt? Oder eine heiße Spur?"
"Nein. Das hätte er mir gesagt."
"Oder hat er vielleicht etwas anderes im Keller entdeckt?" Wertvolle Gemälde?
"Was denn?"
"Keine Ahnung. Ich stochere etwas im Nebel und hoffe auf Ergebnisse."
"Klingt nicht toll."
"Ist es auch nicht."
"Hm. Er sagte nichts. Allerdings hat er manchmal meinen Computer benutzt."
Das könnte eine Spur sein. "Kann ich ihn mir mal ansehen?"
"Ich habe mir seine Sachen angesehen. Nichts."
"Trotzdem. Vielleicht fällt mir etwas auf."
"Uh, na gut. Sind ja keine Geheimnisse drauf. Ich habe hier so um Zwölf Feierabend. Dann können wir zu mir gehen."
Diana verabschiedete sich und machte sich über die Marktstätte auf den Weg zum Hafen. Es war immer noch früh. Die meisten Geschäfte räumten ihre Auslagen heraus. Die Eisdielen öffneten und das "Casablanca", eine von Marokkanern geleitete Pizzeria mit Bogart und Bacall an allen Wänden, hatte noch geschlossen. Sie lief über den Bahnhofsplatz zur Schweizer Grenze.
Im Yachthafen dümpelten die Schiffe der Reichen und nicht ganz so Reichen. Diana bemerkte rechts von ihr eine Bewegung. Automatisch drehte sie sich um und sah einen silbernen Porsche 911 mit offenem Verdeck vor ihr Abbiegen und zu dem kleinen Parkplatz linkerhand von ihr fahren. Der Fahrer bemerkte sie nicht. Aber sie erkannte ihn. Doktor Klaus Wieland. Sie fragte sich, woher ein Habilitant das Geld für einen Porsche hatte. Sicher, heute kostete ein 911er nicht mehr überwältigend viel. Aber es war für eine ungesicherte BAT II A-Stelle, wahrscheinlich sogar nur eine halbe Stelle, ziemlich viel. Und es war nur ein Gerücht, dass es im Süddeutschen allen Menschen finanziell besser ging. Viele der Konstanzer Studierenden hatten durchaus vermögende Eltern und besaßen oft ein Auto, das keine Probleme mit dem TÜV hatte. Ganz im Gegensatz zu den Kisten, die in Berlin von den Studis gefahren wurden. Falls sie überhaupt das Geld für ein eigenes Auto hatten. Aber nach ihrem Studium suchten die Doktoranden und Mittelbauler überall eine Stelle und die Eltern hörten langsam auf, ihren Kindern Geld zu geben.
Ohne zu blinken bog Wieland auf den kleinen Parkplatz ein. Diana zog sich in den Schatten der Bahnhofshalle zurück. Nach einigen Sekunden ging Wieland mit weit ausholenden Schritten zu den Schiffen. Mit einem Schlüssel öffnete er die Tür und ging den Steg hinunter.
In dem Meer der Boote tauchte ein fülliger Mann auf. Sie konnte ihn auf die Entfernung nicht genau erkennen. Wahrscheinlich etwas älter und mit blonden oder schon grauen Haaren. Er hob seinen rechten Arm und winkte. Wieland nickte und ging auf ihn zu. Diana holte ihre Digitalkamera aus der Tasche. Sie fokussierte auf den fremden Mann. Mit der Vergrößerung erkannte sie ihn. Hans von Kirn. Er verdiente sein Geld als Spekulant und gab es als Kunstsammler wieder aus. Natürlich nur, wenn letzteres sich als Investition nicht rechnete. Als ein freier Mitarbeiter des Südkuriers schrieb, er habe nur deshalb eine Inszenierung des Stadttheaters gesponsert, weil er dringend etwas Geld abschreiben musste und er sich so gleichzeitig die Zusage für einen Neubau geholt habe, gab es eine empörte Erklärung des Bürgermeisters, eine Entschuldigung des Lokalchefs und der Journalist erhielt keine weiteren Aufträge mehr. Seitdem stritten sich der Schreiber und die Zeitung vor Gericht, weil er sein Einkommen hauptsächlich mit der Pauschale der Tageszeitung bestritt, über ausstehende Gehaltszahlungen. Diana hatte die leicht modernisierte Inszenierung von Patrick Hamiltons "Rope – Cocktail für eine Leiche" gut gefallen. Ihr hatte auch der Hitchcock-Film immer gefallen.
Automatisch drückte Diana immer wieder auf den Auslöser. Von Kirn winkte Wieland zu sich. Wieland schwang sich auf das Segelboot. Sie begrüßten sich freundschaftlich. Sie sahen sich kurz um. Sie setzten sich und verschwanden so aus Dianas Blickfeld. Sie machte ein Bild von Wielands Porsche und notierte die Autonummer in ihrem Notizblock.
Dann wartete sie.
"Wenn uns hier jemand zusammen sieht.", sagte Wieland.
Hans von Kirn schenkte Wieland etwas Kaffee ein: "Und? Dann treffen sich zwei Bekannte wegen eines Projektes."
"Ich bin vorsichtig."
Von Kirn ging nicht darauf ein: "Haben Sie die Bilder?"
"Natürlich. War überhaupt kein Problem." Wieland lehnte sich zurück und schlürfte etwas von dem türkischen Kaffee. Für seinen Auftraggeber war es undenkbar, einfach normalen Kaffee zu kaufen und durch einen Filter zu jagen. Dieser Kaffee verursachte etwas mehr Arbeit, aber er schmeckte auch ausgezeichnet. Kein Vergleich mit der Uni-Kaffee-Brühe oder seinem morgendlichen Kaffee. "Wahrscheinlich wird er niemals erfahren, dass er seit gestern Fälschungen bewundert. Gute zwar, aber Fälschungen."
"Er erfährt es in einigen Monaten."
"Mmh?"
"Ich habe seine Firma aufgekauft. In den kommenden Monaten werde ich sie sanieren." Von Kirn grinste diabolisch. "Ihn entlasse ich als ersten."
"Oh."
"Und dann muss er seine Bilder zu Geld machen."
"Das klingt nach einer persönlichen Vendetta."
"Er hat mir meine Freundin ausgespannt.", sagte der für die Öffentlichkeit glücklich verheiratete Spekulant. "Dann können Sie mir die Gemälde später geben?"
"Ich fahre nachher zur Uni. Um die Mittagsstunde ist am Meisten los."
"Fein. Ich schicke Ihnen um 13.00 Uhr einen Laster. Sixt in Ordnung?"
"Ja. Klar. Wie beim letzten Mal."
Von Kirn nickte. "Sie könnten mir einen weiteren Gefallen erweißen."
"Ja?"
"Es muss schnell gehen."
"Wie schnell?"
"Vor dem Seennachtsfest."
"Uh, das ist –"
"Ich weiß. Ich weiß. Leider habe ich jetzt davon erfahren. Einer meiner Freunde hat einen größeren, hm, Betrag an Bord und ist jetzt hier."
"Geld?"
"Besser. Gold und Diamanten. Er will sie während des Seenachtsfestes in die Schweiz schmuggeln."
Wieland wiegte nachdenklich seinen Kopf von links nach rechts und wieder zurück: "Klauen müsste gehen. Ein Austausch geht nicht. Ich habe keine falschen Diamanten und kann sie so schnell unauffällig nicht besorgen."
"Ach, das ist nicht nötig."
"Nun – Wo liegt der Kahn?"
Schroff hielt ein Fax von der BaFin in der Hand. Die hatten seine Anfrage verdammt schnell beantwortet. Meistens dauerte es sogar im eigenen Haus länger. Nach dem Fax verfügte Robert Brandt über sechs Konten bei verschiedenen Banken. Er tippte Jürgen Brandts Handynummer ein und wartete.
"Hier Brandt."
"Guten Tag. Schroff hier."
"Haben Sie etwas herausgefunden?"
"Nein. Aber ich habe eine Frage."
"Ja?"
"Können Sie mir etwas zu den Konten ihres Sohnes sagen?"
"Konten?"
"Ich habe hier einen Ausdruck. Danach besitzt er sechs Konten."
"Wir haben für ihn bei der Deutschen Bank etwas Geld angelegt. Und dann hat er nach der Konfirmation bei der Post ein Konto eröffnet. Das war damals ein Angebot gewesen. Und für Reisen war es auch ganz gut."
"Hm. Und sonst?"
"Nun, dann noch das Giro-Konto."
"Das wären drei.", sagte Schroff während er sich hinter die Konten kurz notierte, wofür sie waren.
"Mehr kenne ich nicht."
"Gut. Danke." Schroff unterbrach die Verbindung. Sofort danach schickte er eine Anfrage nach einer detaillierten Aufstellung von Robert Brandts Konten los. Mal sehen, wie viel Geld auf den Konten war und wie oft er sie benutzt hatte.
Diana suchte über die Telekom Wielands Telefonnummer und Adresse. Er wohnte in Egg. Nicht gerade ein Wohnviertel für das hiesige Lumpenproletariat. Auch nicht unbedingt die erste Adresse für das akademische Lumpenproletariat. Dann googelte sie seinen Namen zusammen mit Hans von Kirn. Über den kleinen Bildschirm war die Suche kein Vergnügen, aber sie wollte im Hafen bleiben und abwarten, was hier weiter geschah. Kein Treffer. Dann googelte sie Hans von Kirn und Universität Konstanz. Da gab es mehrere Treffer. Er förderte einen Lehrstuhl, hielt bei den Volkswirten und Verwaltungswissenschaftlern Vorträge, spendete Geld für einen Nachwuchspreis und gehörte zum Kreis der Förderer der Universität Konstanz.
Vorne auf dem Boot bewegte sich etwas. Diana blickte vom Bildschirm hoch. Wieland verabschiedete sich von dem sitzenden von Kirn und sprang auf den Steg. Sie bemühte sich, möglichst unauffällig im Schatten sitzen zu bleiben. Sie verfluchte ihre helle Kleidung. Genausogut könnte sie auch ein Schild hochhalten "Unauffällige Beobachtung". Sie hielt ihr Gesicht etwas gesenkt, zog die Baseball-Kappe etwas weiter hinunter und beobachtete über den Rand ihrer Sonnenbrille Wieland. Er ging mit großen Schritten, ohne nach links oder rechts zu sehen, zu seinem Auto, warf einen braunen DIN-A-4-Umschlag auf den Beifahrersitz, startete und fuhr weg.
Diana atmete aus. Die beiden Männer hatten sich 52 Minuten unterhalten. Was war in dem anscheinend gut gefüllten Umschlag, den von Kirn Wieland gegeben hatte? Worüber hatten sie gesprochen? Und warum ausgerechnet hier? Falls der Ort nicht zufällig gewählt war, woran Diana aus alter Gewohnheit zweifelte, war er perfekt gewählt worden. Hier im Hafen waren eine Observation und ein unauffälliges Belauschen fast unmöglich. Besonders um diese vormittägliche Uhrzeit.
Diana bummelte durch den Hafen, ging zur Imperia, wieder zurück zum Konzil und in den Stadtgarten. Die Konzertmuschel war umringt von Buden für Essen und Trinken. Vor dem Seenachtsfest am Samstagabend gab es bereits das Stadtgartenfest. Inzwischen hieß es zwar nicht mehr Fest, sondern Sommernächte. Aber Diana blieb bei dem Namen, mit dem sie aufgewachsen war. Ab gestern Abend spielte jeden Abend eine Band auf der Bühne, heute Suzi Quatro mit Band, die Einheimischen kamen, feierten und tranken. Oder umgekehrt. Das Seenachtsfest gab es seit dem Ende des Krieges und sollte damals den Tourismus ankurbeln. Die Älteren schwärmten noch in Erinnerungen an die frühen, kleinen Feste. Heute kam halb Baden-Württemberg zum See gefahren, bezahlte den happigen Eintritt, stand dicht gedrängt im Seegarten oder an der Seestraße, bemühte sich bereits zu vormittäglicher Zeit um einen hohen Alkoholpegel und bewunderte dann ein Feuerwerk, das die Städte Konstanz und Kreuzlingen gemeinsam in die Luft schossen. Tagsüber gab es zwar ein Unterhaltungsprogramm, aber davon bekamen nur die wenigen Menschen in der ersten Reihe etwas mit. Selbstverständlich wurden auch die Bootsbesitzer zur Kasse gebeten. Diana fand das ganze Feuerwerk doof. Auch wenn es dieses Jahr ein chinesisches Feuerwerk von ML Huayi war. Als Teenager war sie zwar auch hingefahren, hatte sich mit ihren Freunden ordentlich besoffen und nicht gewusst, ob die blitzenden Sterne in ihrem Kopf oder im Himmel stattfanden. Aber heute war sie zwanzig Jahre älter und hielt nichts mehr davon, von allen Seiten angestoßen und angerempelt zu werden. Ebenso verzichtete sie inzwischen gerne auf einen tagelangen alkoholbedingten Durchhänger.
Jetzt waren die Buden noch geschlossen. Sie war allein, mit einem leichten Geruch nach verschüttetem Bier und Pisse. Hier verlor sich die Spur von Robert Brandt. Nach dem Seminar war er in die Stadt gefahren und hatte sich in der Hafenhalle mit jemand getroffen. Wenn er angekommen war, musste ihn jemand gesehen haben. Denn im Sommer war die Hafenhalle ein Treffpunkt für Jugendliche und Touristen. Falls jemand Robert umgebracht hatte, hatte er es nicht zwischen dem Stadtgarten und der Hafenhalle getan. Das hätte jemand mitbekommen. Außerdem wäre die Leiche innerhalb weniger Stunden entdeckt worden. Umgekehrt wäre es für den Mörder zu gefährlich gewesen, die Leiche von hier wegzuschaffen.
Diana drehte sich um und ging zurück in Richtung Schweizer Grenze. Klein Venedig, der dortige Busbahnhof und die Veranstaltungswiese wären für einen Mord besser geeignet. Noch besser wurde es auf der anderen Seite der Grenze in Kreuzlingen.
Klein Venedig, ein poetischer Name für eine frühere Müllkippe, schied aus. In dem Gebüsch konnte niemand eine Leiche für längere Zeit verstecken.
Diana klopfte im Grenzhaus an. Ein Schweizer Zöllner öffnete die Tür und fragte, was sie wolle.
"Gruezi, Diana Schäfer.", stellte sie sich vor und zeigte ihre Detektiv-Lizenz. "Ich ermittele in einer Vermisstensache. Robert Brandt."
"Sagt mir nichts."
"Er verschwand vor einem Monat. Auf deutscher Seite ermittelt Linus Schroff."
"Frau Schäfer, ich würde Ihnen ja gerne helfen. Aber ich bin erst wieder seit einer Woche zurück. Davor hatte ich Urlaub."
"Ja. Ich denke, selbstverständlich hat Herr Schroff mit ihren Kollegen geredet. Meine Frage ist nur, ob jemand ohne Kontrolle über die Grenze gehen kann."
"Natürlich. Wir kontrollieren nur noch bei Verdachtsfällen. Die Meisten winken wir einfach durch. Besonders hier.", sagte der Zöllner. "Hier gehen fast nur Touristen oder Anwohner rüber. Was sollen wir da groß kontrollieren?"
"Hm. Und hypothetisch gesprochen, könnte jemand auch eine Leiche über die Grenze bringen?"
"Wie?"
"In einem Wagen. Oder in einem Teppich oder Sack eingewickelt."
"Also, rein hypothetisch gesprochen, - nicht hier. In einem Kofferraum bei einem der anderen Übergänge schon. Aber hier. Nein. Ich würde in jedem Fall einen Blick in die Schubkarre werfen. Oder den Teppich genauer ansehen. Allerdings ist dieser Übergang 24 Stunden geöffnet."
"Ist immer ein Zöllner da?"
"Nein."
"Dann könnte in der Nacht eine Leiche über die Grenze gebracht werden."
"Theoretisch schon. Und nur zu Fuß."
Diana bedankte sich und schnüffelte noch etwas auf der Schweizer Seite herum. Es wäre möglich. Aber unwahrscheinlich. Der Mörder hätte Robert Brandt einfach in seinen Kofferraum legen und irgendwohin fahren können.
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Axel Bussmer beim Ausbrüten feinteiliger Straftaten (rein literarischer Natur)
AXEL BUSSMER
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INTERVIEW
(mit ULrike Duchna, Franka Plaschke und Barbara Keller im AREMA/Moabit
vom 31.07.2007...)
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