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aus dem moabiter kriminalgericht


Kleinkrieg in der Rockerszene -
Kerle giften sich an


von Barbara Keller

27. Juli 2006, Moabiter Kriminalgericht, 37. Gr. SK.
Nicht jeder Motorradclub (MC) ist berüchtigt und gefährlich. Mit dem MC Bandidos und der MC Hells Angels jedoch verhält es sich anders. Sie gelten in Ermittlerkreisen als aktiv in der Drogen- und Waffenszene sowie in der Türsteher- und Hehlerbranche. Ihr Revierverhalten gilt als ausgeprägt und ausgesprochen aggressiv. Am 6. Mai letzten Jahren traf Önder C. (39) als Clubmitglied der Bandidos auf der Tankstelle Rathenauer Straße 8, Moabit, auf Achim M. (Red Devils, ein Supporterclub der Hells Angels). Er eröffnet: "Was machst du in meinem Revier?!" Und soll schließlich mit gezückter Waffe dessen mit dem Red Devil-Patch benähte Weste verlangt haben.

Urteil vom 7.8.2006
Lies auch: "Der dritte Mann - Bandidos gegen Hells Angels" (15.07.2008)

Da ist noch lange keine Ruhe in der Berliner Rockerszene. Und Ruhe ist ja auch kaum das Thema Nummer Eins in diesen Kreisen der Morradclubs wie den "Bandidos" oder "Hells Angels". In deren heiß umkämpften Revieren geschehen die seltsamsten Dinge im Namen von Respekt, Freiheit und Motoren strotzender Männlichkeit. Viele Rockergruppen sind nach Erkenntnissen der Polizei und Staatsanwaltschaft in Drogen- und Waffenhandel sowie in der Türsteher- und Hehlerbranche aktiv. Auch Fälle von Schutzgelderpressungen wurden bekannt.

Kein Platz für die Hells Angels

Bereits in den 90er Jahren drohte der Krieg zwischen den Bandidos und Hells Angels auf Berlin überzugreifen, als der den Hells Angels nahe stehende Cottbuser MC "Gremium" nach Berlin expandieren wollte. Kurzer Hand schlugen die "Bandidos" den angedachten Präsidenten dieser Dependance in seinem Tattoo-Laden in Reinickendorf bewusstlos. Sein angedrohtes Ableben im Falle der Gründung einer Außenstelle bewirkte unter anderem dessen Schweigen vor der Polizei.

Letztmalig eskalierten die Streitigkeiten zwischen den Bandidos und den Red Devils (ein Supporterclub der Hells Angels) kurz vor dem fünfjährigen Bestehen der Berliner Bandidos Dependance im Juni dieses Jahres. In der Moabiter Beusselstraße provozierte ein Bandido-Mitglied einen Autounfall, um auf die drei Insassen des in Mitleidenschaft gezogenen Wagens zu schießen.

Moabiter Animositäten

Unter diesem Zeichen darf wohl auch der so 'arglos' daherkommende Jackenklau auf der Tankstelle Rathenauer Straße 8 (Moabit), vom 6. Mai 2005, gesehen werden, den die Beteiligten - insbesondere auch der Geschädigte - natürlich nicht vor Gericht haben wollten.

Aber im Namen der öffentlichen Sicherheit lässt sich eine schwere räuberische Erpressung, wegen der sich Önder C. (Clubmitglied der Bandidos) nun vor der 37. Großen Strafkammer verantworten muss, eben nicht unter den Tisch kehren.

Freie Männer, schöne Motorräder

Nach Version von Önder C. geschah am 6. Mai vergangenen Jahres Folgendes: Önder C. war auf dem Weg zur Hochzeit eines Clubmitglieds und zum Tanken seines Autos sowie zum Aufladen seines Handys an der Tankstelle Rathenower Straße vorgefahren, als ihm, wie er sagte, ein besonders schönes Motorrad ins Auge fiel: eine Sportster.

Im Gebäude der Tankstelle machte er dann rasch den Besitzer des Fahrzeugs ausfindig. Achim M., der saß am Tresen, trank gerade einen Kaffee und aß Croissants. Achim M. ist Clubmitglied der verfeindeten Red Devils und seine Weste trägt das Patch seiner Gruppenzugehörigkeit.

Falsches Revier, wilde Wut

Nun sagt Önder C., er habe sich "als freier Mann" das Recht genommen, den Anderen zu fragen. Und zwar: "Was machst du in meinem Revier?!" Die unerfreuliche Situation brachte beide blitzschnell in eine Auge-in-Auge-Situation. Önder C. knallt seinen Kopf gegen den des Anderen, der sich daraufhin hinter den Tresen der Tankstelle flüchtet.

In wilder Wut verlangt Önder C. - Achim M. behauptete damals unter Vorhalten eines Messers - die Herausgabe der 'Kutte'. In Angst und Panik gibt Achim M. Lederjacke als auch Kutte heraus. Während der Angreifer die Lederjacke fallen lässt, nimmt er offenbar als Trophäe nur die Weste mit.

Stellen Sie sich vor, Sie treffen Ihre Exfrau...

Um sein Verhalten verständlich zu machen, bringt Önder C. der widerwillig bis ungehalten reagierenden Kammer ein skurriles Gleichnis: "Stellen Sie sich vor, Sie treffen Ihre Ex-Frau beim Arzt." Da sei es doch nahe liegend, die ehemalige Frau zu fragen: "Was machst du denn hier?!" Und weil er Türke sei, so erklärt sich Önder C. weiter, habe er natürlich seinen Widersacher in ethnisch typischer Weise beleidigt und dabei unflätig dessen Mutter beschimpft.

Als Zeugen des ersten Tags der Hauptverhandlung bestätigen auch der Tankstellenazubi Martin A. (20) und dessen Chef, der Stationsleiter Uwe S. (46), dass Önder C. auf den Kunden Achim M. losgegangen sei. Martin A.: "Der Angeklagte war sehr aggressiv, rot im Gesicht und zittrig." Wohingegen der Andere, Achim M., sich hinter ihn, hinter den Tresen geflüchtet hätte.

Die kommen mit 20 Mann wieder...

Uwe S., der das Autokennzeichen von Önder C. notierte, erklärte, als er auf das akustische Klingelzeichen des Azubis aus dem Lager nach vorn gekommen sei, habe er gesehen, wie sich "zwei Kerle angifteten". Achim M., der offenbar telefonisch Kontakt zum nahe gelegenen Club aufgenommen hatte, äußerte die Befürchtung: "Die kommen mit 20 Mann wieder und machen mich platt."

Dazu kam es schließlich nicht. Önder C. hatte, neben seinem Autokennzeichen mit dem Aufladen seines Handys auch die Telefonnummer und damit der herbeigerufenen Polizei genügend Spuren hinterlassen. Anstatt zur Hochzeit zu fahren, kontaktierte er deshalb seinen Club, dann einen Rechtsanwalt, dem er auf dessen Forderung auch die strittige 'Kutte' in einer Plastiktüte aushändigen ließ.

Prozess ohne Opfer

Achim M. indessen erklärte bereits am 6. Mai 2005 den Polizeibeamten, er werde weder zur Zeugenvernehmung noch zu einem Gerichtstermin erscheinen. Und so war es dann auch. Der Hauptbelastungszeuge erschien am Tag des Prozessauftaktes nicht. Das Gericht verhängte über ihn ein Ordnungsgeld von 200 Euro, alias eine Haft von vier Tagen und ordnete sein Erscheinen für den 7. August 2006, dem nächsten Prozesstermin, um 11:00 an.

Urteil vom 7.8.2006:
Sieben Monate auf Bewährung wegen Nötigung und Körperverletzung. Die schwere räuberische Erpressung ließ sich so nicht nachweisen.

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NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




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Önder C. (Mitglied des MC Bandidos) fand, dass einer zuviel auf der Tankstelle Rathenauer sei. Und zwar Achim M. vom MC Red Devils. Önder C., der wenig später mit seinem Kopf auf den des Anderen einschlägt, eröffnet: "Was machst du in meinem Revier?!"

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