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aus dem moabiter kriminalgericht


Rätselraten geht weiter


von Barbara Keller

23. Juli 2004. Landgericht, 22. Gr. Strafkammer.
Noch drei Gerichtstermine, dann sollte das Urteil gegen Monika de M. gesprochen sein. Bisher bringt die Beweisaufnahme jedoch eher Verwirrendes sowie mehr und mehr Verdachtsmomente auch gegen weitere Personen aus dem näheren Umfeld des mutmaßlich ermordeten Theo de M. Was die Zeugen am vierten Tag der Verhandlung zu sagen haben, spricht deutlich zugunsten der angeblichen Mörderin Monika de M.

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zur brisanten Gutachterproblematik:
die Webseite von R. Jursic + Marion de M.

(Schwester/Schwager der Freigesprochenen Monika de M.)
... "Die Berliner Gefahr"


Derweil untermauern Zeugen den guten Leumund Monika de M.s. Schwester Marion de M., Sohn Michael, Kolleginnen als auch die Chefin der Angeklagten, niemand traut Monika de M. die Tat zu. Ilse N., ehemalige Nachbarin Theo de M.s schwört: "Monika kann es nicht gewesen sein, niemals!"

Sie alle malen das Bild einer herzlichen, gutmütigen, zuverlässigen Person, die alle mochten. Ärztin S., Arbeitgeberin der Angeklagten: "Die Patienten vergötterten Monika. Selbstverständlich bekam sie mehr Geld als die anderen Schwestern. Sie hatte es verdient."

Als Schwager Rudolf J. und Schwester Marion überlegen, den Vater ins Heim zu geben, entgegnet Monika de M. entschieden: "Unsinn, das schaffen wir!" Eine Freundin der Angeklagten bestätigt Monika de M.s liebevollen Umgang mit dem alten Herren: "Sie tat es von Herzen, freiwillig und gern."

Allerdings arbeitete Monika de M. oft bis in die späten Abendstunden. Nicht selten war sie bis 21:00 in der Praxis anzutreffen. Danach kümmerte sie sich auch noch um den bettlägerigen Vater Theo de M. In der letzten Zeit soll sie verschlossener gewesen sein und ihr Äußeres vernachlässigt haben, sagen Kolleginnen. Und Monika de M.s Arbeitgeberin glaubt, dass die Schwierigkeiten mit Freund Karsten Sch. begannen. Sie weiß, dass die bescheiden lebende Arzthelferin rätselhafter Weise verschuldet war und ihr Gehalt vom Lohn gepfändet wurde. Über Privates hat man nie gesprochen.

Und wieder fällt unangenehmes Schlaglicht auf Monika de M.s Lebensgefährten Karsten Sch. Er wird als "bisschen gewöhnlich" geschildert, der niemandem "so recht lag", auch als aggressiver Säufer. Michael de M., der Sohn der Angeklagten, war viel mit Karsten Sch. unterwegs. Er muss es wissen, wenn er behauptet: "Karsten war aufbrausend und aggressiv, wenn er was getrunken hatte." Und Karsten Sch. trank praktisch immer. Weißwein und Korn, auch im Mix.

"Einmal ist Karsten ausgerastet. Er trat zweimal mit dem Knie gegen die Furniertür und hinterließ ein circa 30 cm großes Loch.", sagt Michael de M. - Das war im Haus Theo de M.s. Eine Tür in der Art, wie die, hinter der der hilflose alte Herr am 18. September 2003 verbrannte. Und die Karsten Sch. angeblich nicht öffnen konnte.

Monika de M.s Gesprächspartner nach dem Brand berichten alle dieselbe Version der Ereignisse der Unglücksnacht vor Gericht. So wie sie sie von der Angeklagten erfuhren. Karsten Sch. hingegen erzählte offenbar jedem etwas anderes. Während er vor Gericht Stein und Bein schwört, die Klinke der Tür zum brennenden Zimmer des Schwiegervaters nicht versucht zu haben, erklärt er einer Freundin gegenüber das Gegenteil. Einer weiteren Zeugin gegenüber behauptete er sogar, er sei im Zuge eines Rettungsversuches im Zimmer gewesen, habe den Alten auf dem Boden liegend vorgefunden.

Die Mutmaßungen über die Täterschaft des vorliegenden, mutmaßlichen Mordes blühen in großem Stil. Einige davon lauten: Versucht eine ausgebuffte Mörderin, ihren bauernschlauen, trunksüchtigen Freund in die Falle tappen zu lassen? Beziehungsweise: gibt es ein eiskaltes Mörderpaar, das ein Verwirrspiel betreibt, sich gegenseitig ent- und belastet? War "es" eine der zwei Ex-Freundinnen des Herrn Theo de M., wie Ilse N. glaubt. Oder war es gar kein Mord? Lässt sich der zweite Brandherd im Erdgeschoss doch auch anders erklären? Hat sich also Theo de M. doch selbst mit einer Zigarette in Brand gesteckt? Einen zwingenden Beweis gegen Monika de M. hat die Staatsanwaltschaft bisher nicht erbracht.



NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




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Monika de M. mit Rechtsanwalt Lutz Körner
Monika de M. mit ihrem Rechtsanwalt Lutz Körner.

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