Protest gegen die diesjährige Wolfsjagd in Schweden

Schwedische Jagdsaison:
12.000 Jäger versus 27 Wölfe

Das war keine Jagd, das war ein Abschlachten von Wölfen!

Januar 2010
Das Königreich Schweden ist seit 1995 Mitglied der Europäischen Union, mithin gilt in Schweden europäisches Recht. Sowohl im Anhang II der Berner Konvention von 1979, als auch im Anhang II der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie 92/43/EWG des Rates (21. Mai 1992) ist der Wolf, Canis lupus als streng geschützte Art aufgeführt. Ausnahmen für das Königreich Schweden bestehen nicht!

canus lupusDie derzeitige schwedische Wolfspopulation von etwa 240 Tieren geht auf einige wenige (3) aus Finnland eingewanderte Exemplare zurück, verfügt also über eine sehr enge, zu enge genetische Basis: Inzuchtdepression, die zu feststellbaren Schäden an Herz und Nieren bestimmter Individuen führten. Doch laut eines 2007 veröffentlichten Berichtes steht fest: "Wölfe kommen mit Inzucht besser klar als erwartet. Natürliche Auslese hat die genetische Vielfalt begünstigt. Frühere Methoden Inzucht festzustellen wurden erweitert und dabei wurde festgestellt, dass der negativ Trend sich langsamer fortgesetzt hat, als ursprünglich angenommen." (Veröffentlicht in PLoS ONE:"Selektion von Heterozygosität gibt Hoffnung für die Population freilebender Inzucht-Wölfe. Autoren Staffan Bensch, Henrik Andrén, Bengt Hansson, Hans Chr. Pedersen, Håkan Sand, Douglas Sejberg, Petter Wabakken, Mikael Åkesson and Olof Liberg)

Um der genetischen Verarmung innerhalb der schwedischen Wolfspopulation entgegenzuwirken, wurden von politischer Seite und von der Naturschutzadministration zwei völlig konträre Maßnahmen vorgeschlagen:

A) Zum einen wurde in Aussicht gestellt, etwa 20 Wölfe aus genetisch unverdächtigen außerschwedischen Populationen zu importieren, um auf diese Weise eine genetische Vielfalt des schwedischen Bestandes zu erhöhen. Bewertung: Da Wölfe in fester Paarbindung leben, benötigt eine derartige "Genauffrischung" einen sehr langen Zeitraum, könnte mit etwas Glück jedoch gelingen. Wissenschaftliches Monitoring der Ansiedelung und Überwachung ist jedoch hoch kompliziert und aufwendig.

B) Reduzierung des gegenwärtigen Wolfsbestandes um mindestens 27 Exemplare, d. h. Abschuss dieser Wölfe im Rahmen einer Lizenz-Jagd. Bewertung: Welchen Effekt diese Methode auf das nzuchtgeschehen innerhalb der schwedischen Wolfspopulation bewirken könnte, bleibt unerklärlich. Es sei denn, wirklich erfahrene und verantwortungsvolle Einzeljäger würden offensichtlich kranke, d. h. durch Inzuchtdepression gezeichnete Tiere gezielt töten.

Aber selbst eine derart streng regulierte Entnahme von Wölfen bedeutete einen klaren Verstoß gegen bestehendes europäisches Recht, dem auch das Königreich Schweden unterworfen ist.

Eine Kombination der Methoden A) und B) ergibt keinerlei Sinn. Allein Methode A), eine genetische Auffrischung der schwedischen Wolfspopulation, verspricht langfristig einigermaßen Erfolg.

Was in der ersten Januarwoche 2010 in schwedischen Wäldern geschah, ist unvorstellbar: Ein politischer, ein naturschützerischer Skandal, obendrein noch ein massiver Verstoß gegen die Grundprinzipien des Tierschutzes! Aus populistischen Gründen hatte die schwedische Regierung landesweit den Abschuss von 27 Wölfen erlaubt: Angeblich um Inzuchtprobleme der kleinen Wolfspopulation zu bekämpfen und um die Akzeptanz des Wolfes bei der Bevölkerung zu erhöhen. Die Milchmädchenrechnung der Regierung und der Reichstagsabgeordneten lautete: Maximal 20 Rudel = 210 Wölfe = hohe Akzeptanz oder, umgekehrt, mehr Rudel = mehr Wölfe = Akzeptanz geht gegen Null. Fürwahr eine populistische Algebra!

Es ist ein Unding, dass Abschusslizenzen an mehr als 12.000 Jäger verteilt wurden, um 27 Wölfe abzuschießen. Jäger, denen es vielfach an Erfahrung, Disziplin und Treffsicherheit mangelte. Bei dieser so genannten Jagd, die eher einer gnadenlosen Hinrichtung glich, wurde fast ein Drittel der Tiere "nur" verwundet, erhielt oft erst nach Stunden erbärmlichen Leidens den tödlichen Schuss. Zwei der verletzten Wölfe waren auch mehr als zwei Tage nach dem Beschuss noch nicht zur Strecke gebracht/getötet worden. Eine weitere Meisterleistung: Beide Elterntiere eines Rudels wurden getötet; das Schicksal der acht Monate alten Welpen ist ungewiss. Was sich in diesen wenigen Januartagen in Schweden abspielte, war ein bisher nicht vorstellbares kulturelles Desaster. Wir Europäer fordern von Staaten, deren wirtschaftliche Situation wirklich prekär ist, dass sie ihre Wildtiere, darunter für den Menschen durchaus gefährliche Arten, unbedingt erhalten. Und ein hoch zivilisiertes, ein reiches Land veranstaltet eine brutale Schlacht gegen eine Tierart, die keines Schweden Existenz bedroht. Fürwahr eine Schande für ein europäisches Land, das bisher Vorbildfunktion besaß!

Die Unterzeichner protestieren vehement gegen das, was in Schweden geschah. Wir werden weiterhin die Situation der Beutegreifer in Schweden sehr kritisch beobachten: denn auch Vielfraß (Volverine, Gulo gulo) und Nordluchs (Lynx, Lynx lynx) sind nach europäischem Recht streng geschützt.
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1. Barbara Geiger, Berlin (email) (Mitinitiatorin)
2. Carsta Zimmermann, Berlin (email)
3. Barbara Keller, Berlin (email)
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www.sweden.gov.se
Umweltministerium - Andreas Carlgreen

Värmland län
varmland@lansstyrelsen.se
Lars Furuholm, zuständig für große Beutegreifer
Eva Eriksson, Gouverneurin
Bjorn Sandborgh, Leiter der Administration

Dalarnas län
dalarna@lansstyrelsen.se
Maria Norrfalk, Gouverneurin
Stig-Ake Svenson, Naturschutzleiter
Per-Erik Sandberg, Umweltschutz

Västra Götalands län
vastragotaland@lansstyrelsen.se
Lars Bäckström, Gouverneur
Goran Bengtsson, Generaldirektor

orebro@lansstyrelsen.se
Rose-Marie Frebran, Gouverneurin
Kjell Unevik, Generaldirektor
Maria Johansson, Umweltkoordination

Gävleborg län
gavleborg@lansstyrelsen.se
Barbro Holenberg, Gourverneurin
Olof Rydberg, Generaldirektor
Stefan Henriksson, Leiter Ref. Naturschutz

www.jagareforbundet.se/en/Jagareforbundet/Svenska-Jagareforbundets-Styrelse
Torsten.morner@jagareforbundet.se

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