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aus dem moabiter kriminalgericht


Mord ohne Motiv


von Barbara Keller

02. Juli 2004. Landgericht, 22. Gr. Strafkammer.
Der Fall scheint klar. Und so steht es auch in den Medien zu lesen. Monika de M. (48, Arzthelferin) brachte in einer lauen Septembernacht 2003 ihren Vater - Wohnhaft Uhuweg 19c, Berlin Neukölln - ums Leben. Aus Habgier. Sie legte mit Brennspiritus Feuer. Der bettlägerige, hilflose Mann verbrannte bei lebendigem Leib. Später meldete Monika de M. die Versicherungssumme (220.000 €) bei der Allianz Versicherung an. Wegen Mord droht ihr nun eine lebenslange Freiheitsstrafe. Also eine Haftstrafe von mindestens 15 Jahren. Aber weder die Geschichte von Monika de M. noch die der Anklage klingen plausibel. Denkbar ist mehr als diese eine Version der Ereignisse jener Nacht.

Bericht vom 09.07.2004 (Verfahren in 1. Instanz)
Bericht vom 16.07.2004
Bericht vom 23.07.2004
Bericht vom 03.08.2004
Zwischenbericht...
Bericht vom 01.11.2004
Bericht vom 06.12.2004
Bericht vom 17.12.2004
Bericht vom 26.01.2005 (Schuldspruch 1. Instanz)
Bericht vom 02.04.2008 (Freispruch in 2. Instanz)
Bericht vom 09.04.2008
Interview mit Monika de M.
nach dem Freispruch.
(17.4.2008)
Danach - wieder vor dem Amtsrichter (18.9.2008)

Als am 18. September 2003 die alarmierte Polizei und Feuerwehr fast gleichzeitig am Uhuweg 19c eintreffen, schlagen die Flammen schon meterhoch aus dem oberen Stockwerk der betroffenen Doppelhaushälfte. Hier wohnt Theo de M. (76). Und seit kurzem leben hier auch seine Tochter und deren Freund Karsten Sch. - Am Haus erwarten die Beamten vier Frauen. Darunter die völlig aufgelöste Nachbarin mit ihren beiden Töchtern und Monika de M.

"Schnell!", drängt die Nachbarin, "im ersten Stock ist noch der Vater!" Die Polizeibeamten finden hinter dem Gebäude den kaum bekleideten Karsten Sch. verletzt im Rasen liegen. Wie sich später herausstellt, hat er sich bei seinem Rettungssprung aus dem Fenster das Becken gebrochen. In der Zwischenzeit ist auch die Kripo am Ort. Kripobeamter Dirk R. (47) versucht, in das Obergeschoss des Wohnhauses zu gelangen, um Theo de M. zu retten. Aber bereits steht das Treppengeländer teilweise in Brand, von der Decke regnet es Glut. Dann fällt Dirk R. etwas auf den Kopf. Er tritt den Rückzug an, muss später wegen Rauchvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Auch Monika de M. wird zunächst ins Krankenhaus eingeliefert. Als die drei zuständigen Kripobeamten sie dort aufsuchen, um sie über den Tod ihre Vaters zu informieren, sind sie bereits auf der Hut. Feuerwehrleute haben sie auf die Existenz von zwei Brandherden in Ober- und Untergeschoss hingewiesen. Die Version, der passionierte Raucher Theo de M. hätte sich selbst angezündet, beginnt zu wackeln. Die trockene Antwort von Monika de M., ob sie wüsste, was mit ihrem Vater passiert sei, lässt alle drei Beamten aufmerken: "Ich nehme doch an, der ist verbrannt."

Wegen des zweiten Brandherdes im Parterre beginnt die Kripo zu ermitteln. Als Monika de M. auch noch den Schaden bei der Allianz aktenkundig macht, einen Vorschuss der zu erwartenden 220.000 € haben will, beginnt sich ihr Anfangsverdacht zu verhärten. Seit dem 9. Oktober 2003 sitzt Monika de M. in Untersuchungshaft.

Monika de M. schweigt. Sie schweigt gegenüber Bekannten, Verwandten - aber auch gegenüber den Behörden. Dabei sind sich alle einig, die die Angeklagte kennen: "Das traue ich ihr nicht zu!" Monika de M. ist den Angaben ihrer Tante, einer Kollegin, selbst ihrer Arbeitgeberin eine freundliche, liebenswürdige, hilfsbereite Frau. Auch die Theo de M. behandelnde Ärztin (von Home-Care-Berlin) bestätigt: "Monika de M. hat alles für ihren Vater gemacht. War unwahrscheinlich geduldig, ausgeglichen." Theo de M. hatte ihrer Angabe nach höchstens noch zwei Monate zu leben. Lungenkrebs im letzten Stadium. Monika de M. war das bekannt.

Bleibt also die Frage nach dem angeblichen Habsuchtsmotiv. Und da sind auch weitere Variablen und Ungereimtheiten. Zum Beispiel Monika de M.s Freund Karsten Sch. Ein Trinker, der sich weder im Bekannten- noch im Freundeskreis einlebte und der in der Unglücksnacht sternhagelvoll war. Von ihm behauptet Monika de M., er hätte den Vater retten wollen. Doch die Tür klemmte.

Irritierend ist auch die Aussage der Theo de M. behandelnden Ärztin, die Stein und Bein schwört, der alte Mann war nicht in der Lage, sich aufzusetzen. - Die Kripobeamten fanden den Mann halb sitzend im Bett.

Was sich tatsächlich in jener Nacht ereignete, ist völlig unklar. Vielleicht beginnt Monika de M. doch zu sprechen. Bisher ließ sie allenfalls verlauten: "Ich möchte mich im Moment noch nicht äußern."


NJW schreibt:
"Es gibt noch qualifizierte Gerichtsreporter..."
NJW-aktuell - web.report H. 38/2010, S.3




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Angeklagt wegen Mord: Monika de M.
Monika de M. soll ihren Vater Theo de M. ermordet haben. Motiv und Logik hierzu liegen im Dunkeln.

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